Grusswort

Sehr geehrte Damen und Herren, 

bestimmt gibt es Zeitgenossen, die das Lesen für etwas Privates halten, das jeder für sich macht. Menschen, die glauben, mit dem Buch ziehe man sich am besten in die eigenen vier Wände hinter verschlossene Türen zurück. Frankfurter hingegen wissen: Lesen und Öffentlichkeit sind alles andere als ein Widerspruch. Denn bei der Aktion »Frankfurt liest ein Buch« machten in den ersten beiden Jahren viele Frankfurter über Wochen hinweg mit. Nach der bewegenden Lektüre des Buchs »Kaiserhofstraße 12« von Valentin Senger nahmen sie sich im vorigen Jahr »Abschaffel« vor, eine Roman-Trilogie von Wilhelm Genazino. 

Beide Leseaktionen an völlig unterschiedlichen Plätzen der Stadt fanden großartige Resonanz. Einen ähnlichen Widerhall kann ich der dritten Auflage von »Frankfurt liest ein Buch« nur wünschen. Auf dem Programm steht »Straßen von gestern«, ein Roman von Silvia Tennenbaum. Die Autorin schildert das Frankfurt der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ich freue mich besonders darüber, dass Silvia Tennenbaum aus den USA an den Main kommen wird, um bei »Frankfurt liest ein Buch« dabei zu sein. Das gehört zu dem ungeheuren Reiz, den die Leseaktion bei Schülern und vor allem älteren Lesern zu entfalten vermag. 

Das ist typisch für Frankfurt. Die Bürger dieser Stadt nehmen sich selbst ein Projekt vor und können mit einem großen Echo rechnen. Deswegen ist es gut, dass engagierte Frankfurter den Verein »Frankfurt liest ein Buch e.V.« gegründet haben, der längst verstorbene Autoren wie Valentin Senger und lebende Literaten wie Wilhelm Genazino und Silvia Tennenbaum in der Erinnerung dieser Stadtgesellschaft halten will. Für dieses Engagement möchte ich dem Verleger Klaus Schöffling ausdrücklich danken.

Gerne habe ich deshalb auch wieder die Schirmherrschaft für diese Aktion übernommen. Ich freue mich darauf, mit Ihnen »Straßen von gestern« zu lesen und anschließend mit Ihnen über unsere gemeinsame, gewiss anregende Lektüre zu sprechen.

Mit freundlichen Grüßen

Petra Roth
Oberbürgermeisterin
der Stadt Frankfurt am Main

 

 

 


Petra Roth © Foto: Das Portrait