19. April 2012: Mitternachtslesung im Café Größenwahn

Das Publikum lauscht konzentriert Christian Setzepfandts Vortrag
Das Publikum lauscht konzentriert Christian Setzepfandts Vortrag
Christian Setzepfandt erzählt über das Leben Homosexueller in Frankfurt am Main in der Nazi-Zeit
Christian Setzepfandt erzählt über das Leben Homosexueller in Frankfurt am Main in der Nazi-Zeit
Ulrike Madeia-Arendt liest aus »Straßen von gestern«
Ulrike Madeia-Arendt liest aus »Straßen von gestern«

Sevastos Sampsounis vom Café Größenwahn begrüßte die Gäste mit Schwung und freute sich, dass Straßen von gestern auch im Größenwahn zu Gast ist. Fast 60 Gäste warteten mit großem Interesse auf Christian Setzepfandts Vortrag über das homosexuelle Leben in Frankfurt während der Zeit des Nazi-Regimes. Anwesend waren nicht nur Stammgäste, sondern auch Freunde des Lesefestes, die das erste Mal dort waren. Alle rückten eng zusammen, der Rest nahm Stehplätze ein.
Christian Setzepfandt unterlegte seinen Vortrag mit Bildern über einen Beamer. Er erzählte, wie homosexuelle Menschen damals geächtet wurden (»widernatürliche Unzucht« war die offizielle Bezeichnung - die Begriffe »schwul« oder »homosexuell« gab es erst einmal nicht), und wie diese Menschen im Mittelalter hingerichtet wurden.
Straßen von gestern bildete für ihn die Grundlage über das Leben der Homosexuellen in Frankfurt von der Weimarer Republik bis 1945 zu erzählen. Am Beispiel der Figur Andreas Wertheim - Lenes homosexuellen Bruder - zeigte er Bilder von Straßen, in denen sich das schwule Leben in Frankfurt abspielte. Er erzählte auch über das »Neue Theater« und über den Schriftsteller und Publizisten Richard Plant (geboren 1910 in Frankfurt), der später nach Amerika ging und auch dort starb. Setzepfandt verwies immer wieder und sehr engagiert auf das Buch von Silvia Tennenbaum und betonte, wie wichtig dieser Roman für Frankfurt am Main sei.
Ulrike Madeia-Arendt, Gast im Café Größenwahn, gab eine kurze Inhaltsangabe zum Buch, las zwei Stellen passend zu Setzepfandts Vortrag und sagte, dass sie gerne Frau Tennenbaum kennenlernen möchte.
Anschließend gab es eine rege Diskussion zu unterschiedlichen Themen aus dem Buch. Ein sehr gelungener Abend.